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Burger-Ausstellung


Rettung eines gläserenen Wunderwerks

Reinhold Burger, 1866-1954 ist der Erfinder der Thermosflasche und Wegbereiter der seriellen Fertigung von Röntgenröhren. In 2019 werden wir dem gebürtigen Glashütter eine Sonderausstellung widmen:

"Reinhold Burger und seine Glasbläserkollegen. Pioniere des Fortschritts".

Vakuumpumpe ist das „Leitfossil“ der Burger-Ausstellung

»Ohne Moleküle kein Wärmetransport« - dieses physikalische Gesetz machte die Vakuumpumpe in der Glasbläserwerkstatt Reinhold Burgers zum unverzichtbaren Werkzeug. Die Rekonstruktion der museal wertvollen Pumpanlage leisteten am 16.4.2011 die Apparatebläser Norbert Zielinski und Cliff Janiszewki. Die Spezialisten arbeiten an der TU Berlin und dem Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung. Über Axel Burger, Enkel des berühmten Thermoserfinders, war der Museumsverein Mitglied im Verband Deutscher Glasbläser Mitglied geworden und konnte die Glasmechaniker aus Berlin und Potsdam für die Rettungsmaßnahme gewinnen. Es galt, maßgefertigte Halbschalen um Risse am komplizierten Rohrsystems des Saugaggregates anzulegen.

Die historische Nutzung kann im Museum jetzt wieder ungestört nachvollzogen werden:
Der Glasbläser schweißte die Isolierzylinder und Röntgenapparate mit einem Handbrenner an das Glasrohrsystem der Vakuumpumpe an. Die Evakuierung leisteten eine Drehschieberkolbenpumpe (links hinten), eine Quecksilbersiededampfpumpe (links Mitte) und eine so genannte „Kühlfalle“ (links vorne). Ergab die Kontrolle des Drucks mittels Hochfrequenzvakuumprüfer (Vitrine) und Vakuoskop (Glasbirne am Rohrsystem) ein Maß von ca. 0,00001 bar, konnte der Hohlkörper durch Erhitzen des Kapillars wieder entfernt werden. Da Glas nicht ausdampft, ist es ein geeignetes Material für Vakuumpumpen und Isoliergefäße. Die minimale Anzahl von Molekülen im Hohlraum behindert den Wärmetransport: Das Isoliergefäßist funktionstüchtig.

Die Ausstellungin der ehemaligen Schleiferei beleuchtet in einem "Themenalphabet" 26 Aspekte zu Leben und Werk Reinhold Burgers. Dieser hat zwar später in Berlin (Chaussestraße/Wilhelm-Kuhr-Str.) gewirkt und war als Berater auch in den USA tätig, ist aber in Glashütte geboren und aufgewachsen. Er ging hier zur Schule und hat ein Jahr lang die Tätigkeit des Glaseinträgers ausgeübt, bevor er seine eigene Karriere als Glasinstrumentenmacher begann. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass Glas bei seinen Konstruktionen ein wesentlicher Bestandteil ist. Viele Exponate demonstrieren seine bekannteste Erfindung: Die Thermoskanne. Das Geheimnis ihrer Funktionsweise, das Vakuum, veranschaulicht eine Pumpe, an der Besucher selbst ausprobieren können, welchen Einfluss es auf Gegenstände und auch Geräusche nimmt.

Burgers erstes Patent bezog sich auf eine technisch verbesserte Röntgenröhre. 1903 folgte seine bekanntere Patentanmeldung auf die alltagstaugliche Thermosflasche. Drei Jahre später gründete der Glastechniker die Thermos GmbH. Wegen hoher Werbekosten und aus anderen strategischen Gründen verkaufte Burger seinen Gesellshaftsanteil bereits 1907 an den Kaufmann Paalen, der offenbar das Thermos-Patent bald darauf an eine neu gegründete Thermos AG veräußerte. Reinhold Burger scheint an dem großen Erlös dieser Patentübertragung von einer halben Millionen Mark nicht beteiligt gewesen zu sein. Der Thermos-Technik blieb Burger aber verbunden und wirkte bei seinem dritten USA-Aufenthalt als Berater der "Thermos Bottle Incorparation".

Auch ein Versuch Burgers, mit der Produktion und dem Vertrieb eines Spielgerätes in der Alla GmbH (Gründung 1908) Gewinne zu erzielen, scheiterte. Dennoch blieb Burger auf seinem Feld der Fertigung von Laborinstrumenten und Röntgenröhren sehr aktiv. Die Instrumente Burgers wurden auf Messen in Dresden, Berlin, Mailand, Rom und St. Louis ausgestellt und erhielten Auszeichnungen.

Der Erste Weltkrieg brachte der Firma wegen eines Ausfuhrverbotes einen großen wirtschaftlichen Einbruch und führte zu einer Halbierung der Belegschaft von über 20 auf 9 Angestellte.

Auch die Verlegung der Werkstatt von Berlin-Mitte nach Berlin-Pankow kann als Kriegsfolge gewertet werden. In der kleineren Werkstatt in der Wilhelm-Kuhr-Straße arbeiteten noch vier Glasinstrumentenmacher: Der Seniorchef, seine Söhne Siegmund und Reinhold sowie Glasbläser Kühn.

Der Familienbetrieb blieb auf den Feldern der Medizintechnik und Labortechnik weiterhin sehr aktiv und hatte bis 1939 internationale Abnehmer. Im Jahr 1926 erhielt ein weiteres Burgersches Produkt, der Kaltlichtbestrahlungsapparat "Frigisolair", ein Patent.

Der Firmengründer unterstützte die Produktion der Firma auch, nachdem sein Sohn Reinhold (junior) die Leitung der Firma übernommen hatte.

(Mehr zu Reinhold Burger finden sie auch hier.)